TOM LIWA DER, DEN MEIN FREUND KANNTE

Neuigkeiten

Liebe FreundInnen,

Am 30.11. erscheint DER, DEN MEIN FREUND KANNTE, das neue Album von Tom Liwa. Es ist ein ganz besonderes Werk, das mit einer unfassbaren Ruhe vom Leben und Sterben erzählt. Die Platte und das dazugehörige BUCH TOM werden ohne Label oder Verlag, ohne Vertrieb, ohne Streaming, ohne Amazon, ohne Mäzen und staatliche Förderung veröffentlicht. Ab sofort in verschiedenen Bundles vorbestellbar auf tomliwa.bandcamp.com

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DER, DEN MEIN FREUND KANNTE
 
Fangen wir gleich mal mit einer fast philosophischen Frage an (keine Sorge, das Praktische und Geschäftliche folgt): Was ist ein Freund? Tom Liwa beantwortet das – zumindest an diesem Herbsttag – so: „Einer meiner spirituellen Lehrer hat mal gesagt, ‘ein Freund ist einer, der dir dein altes Lied neu singt!’ Etwas profaner könnte man sagen, ein Freund ist jemand, dem gegenüber du dich nicht zu verstellen brauchst, eigentlich gar nicht kannst, weil er dich eh kennt und liebevoll annimmt, wie du bist. Was durchaus beinhaltet, dass er dir den Kopf wäscht, wenn es nötig ist… Nach wahren Freunden kann man an sehr unterschiedlichen Orten suchen, und manch einer findet sie gar in inneren Welten. Bei Kindern ist das zum Beispiel ganz oft so, aber es zieht sich auch durch die Erwachsenen-Kulturgeschichte in so unterschiedlicher Ausprägung wie Ramon Lulls ‘Vom Freund und dem Geliebten’ oder der frühen Hollywood-Komödie ‘Mein Freund Harvey’, wo es um einen unsichtbaren Hasen geht.” 
 
So erklärt sich auch schon der Albumtitel DER, DEN MEIN FREUND KANNTE, der viel mehr ist als nur ein Albumtitel. „Der Name/Titel kam zu mir – wie vieles andere auch – nicht durch rationale Überlegung, sondern durch analeptische Intuition. Erst wollte ich auch gar nicht so heißen, sondern nur damit spielen. Dann wurde mit der Zeit immer klarer, dass sich in diesen fünf Worten das ganze Zwischen-den-Welten des Liederzyklus, an dem ich arbeitete, und auch der Status meiner eigenen Entwicklung voll schön bündelte. Und dass sich ein paar gute Witze damit machen ließen. Der Kern der ganzen Begrifflichkeit steckt übrigens im Komma, aber das ist nicht wirklich wichtig.”
 
„Da ist eine Frau, die würd ich gern kennenlernen…” Was wie der Beginn eines typischen Singer/Songwriter-Albums klingt, führt ganz woanders hin. In „Bismo” geht es um die Schönheit der Welt, aus verschiedenen Augen gesehen, und um den Abschied davon: Wird unser Tod so sein, wie wir ihn uns vorstellen? So gibt der erste Song auf DER, DEN MEIN FREUND KANNTE die Richtung vor – obwohl es dann doch wieder nicht so einfach ist, wie meistens bei Tom Liwa: „Man könnte sagen, die Songs auf d,dmfk handeln samt und sonders vom Sterben. Doch irgendwas an diesem Satz wird der Sache nicht gerecht. Vielleicht ist das Album ein Versuch, das Thema Tod tröstlich anzugehen, ohne auf Glauben zu verweisen. Natürlich habe ich meinen Glauben, aber ihn in den Mittelpunkt einer solchen Arbeit zu stellen, wäre dirigistisch und verkürzend zugleich.” Stattdessen macht d,dmfk alle möglichen Türen auf. Die Angst vor dem Sterben, vor Tod und Verlust, kennen wir alle – und (nicht bloß) in solchen Situationen braucht niemand Belehrungen, die schaffen immer nur Distanz, sondern eben: einen Freund, der einen begleitet. „Das Narrative ist viel eher in der Lage, Vertrauen zu schaffen. Und so erzähle ich Geschichten vom Rand der Welt, in der Hoffnung, dass sie mutig machen und froh. Als der Freund, der dir dein altes Lied neu singt… deins, nicht seins.”
 
Und neu klingt d,dmfk auf jeden Fall. Wer die typischen Tom-Liwa-Gitarren erwartet, wird erstaunt sein, dass hier Ambient-Klänge und auch mal das Klavier die Hauptrolle spielen. In seinem neuen Zuhause im Wendland, das er im Oktober 2019 bezogen hat, gab es einen Flügel als Dauerleihgabe dazu – so lag der Fokus auf Tasten, und Tom hat den Winter damit verbracht, seine linke Hand zu trainieren. Mit der Zeit fiel es ihm leichter und leichter, auf Gitarre komponierte Songs auch auf dem Klavier zu spielen. Was nicht heißt, dass die Gitarre abgemeldet ist, es gab diesmal nur anderes Terrain zu entdecken. Ohne Neugier ist das Leben ja nur halb so spannend. Und doch ist der Songwriter, den wir seit so vielen Jahren – mit oder ohne Flowerpornoes – schätzen, jederzeit eindeutig erkennbar, natürlich auch an seiner Stimme, die das Album trägt und einem umso näher geht, je langsamer die Lieder werden. Manchmal scheinen sie fast stillzustehen, und gleichzeitig fließen sie ineinander über, ergänzen sich zu einem großen Panoramabild. 
 
Zwischendurch beschrieb Tom diese Musik mal so – mit einem Zwinkersmiley, aber es trifft es doch ganz genau:„Die Musik umkreist einen irgendwie wie eine Schwebebiene, und dann sticht sie einen ins Auge, und dann fängt der Gesang an, und man will, dass der Schmerz im Auge nie mehr aufhört.” Wenn Schmerz und Freude sich treffen und was Erhabenes daraus wird: Das kommt recht selten vor. Der klare Klang berührt einen unmittelbar, während die Lieder gleichzeitig im Universum rumzusurren scheinen. Hin und wieder sind Joiks zu hören, diese wortlosen spirituellen Gesänge. Das Titelstück ist eine kleine gesprochene Geschichte, das abschließende „Wenn der Abschied kommt” ein Instrumental. Dazwischen braucht Tom Liwa gar nicht viele Worte, um einem die Welt zu erzählen. Da ist „Humble Deal”, das die Demut feiert, und „Spring”, das Mut zum Aufbruch macht. In „Willi” erinnert sich Tom an seinen Freund Willi Kissmer, dessen Sterbeprozess er miterlebte – „Du schließt für einen Moment die Augen/ Und schon ist alles weg/ Du kannst es nicht festhalten, du kannst es nicht verstehen/ Doch du kannst es auch nicht loslassen, weil das einfach nicht geht.” Ähnlich schwer fassbar und doch unfassbar berührend sind „Seele” und „Achim”, und dann kommt noch „Väinämöinen” mit seinem Zauber. 
 
„Der Sound von d,dmfk hat auch mich selber überrascht. In den ersten Quarantänetagen des Frühjahrs 2020 hab ich zunächst an Ambient-Tracks gearbeitet – meist aus Klavier, Analogsynthesizer und field recordings zusammengesetzte Stücke. Als dann irgendwann absehbar war, dass ich auf längere Zeit eh keine Chance haben würde, mit meinen Lieblingsmusikern gemeinsam aufzunehmen, machte ich mich an den Körper an Songs, der anstand, indem ich die Prinzipien der Ambientarbeit auf sie übertrug. Es gab keine direkten Vorbilder für diese Musik, obwohl sie natürlich auf den Schultern von Riesen steht und ganz klare Bezüge zu Arbeitsweisen von beispielsweise Brian Eno, Laurie Anderson oder Robert Wyatt aufweist. Auch Daevid Allen war mir immer wieder Bezugsgröße, allerdings eher in Bezug auf die Aufrichtigkeit in der Integration der spirituellen Hintergründe der Lieder. Dass das alles so funktioniert hat, war nicht unbedingt zu erwarten, und so empfinde ich es als großes Geschenk. Wieder mal Glück gehabt.”
 
Apropos Glück, kommen wir nun zum Geschäft: Dieses Album, das so einen offenen Blick ins weite Universum wirft, wird hier auf der Erde nicht über die üblichen Kanäle veröffentlicht. Es hat kein Label, keinen Vertrieb, keine Promoagentur. Es wird nicht auf Streamingportalen verhökert, es möchte auch nicht mit Amazon kooperieren. DER, DEN MEIN FREUND KANNTE gibt es nur bei Tom Liwa direkt, bei Bandcamp und Konzerten. Superindependence! Warum? Weil es möglich ist. „Wir leben in einer verrückten Zeit voller schneller Paradigmenwechsel, einer Zeit, die die Hindus Kali Yuga, das Zeitalter der Zerstörung nennen. Wenn man da gut durchkommen möchte, ist es wichtig, immer wieder zu überprüfen, ob die alten Wege noch die richtigen sind. Schon, damit man sich nicht an Dingen festhält, die es gar nicht mehr gibt. Eine dieser Zombievorstellungen ist zum Beispiel der ständige Drang nach Expansion bei gleichzeitiger Verknappung von moralischer Integrität. Der sterbende Schwan Musikgeschäft kam mir in den letzten Jahren immer absurder und langweiliger und feiger vor. Immer weniger von Wehrhaftigkeit und Wahrhaftigkeit geprägt. Aber: no hate! Den einzelnen Protagonisten kann man das nur bedingt übelnehmen. Menschen neigen in ihrer Fixiertheit auf scheinbare Sachzwänge nun mal dazu, den Blick aufs große Ganze zu verlieren. Letztlich stand ich vor der Frage, ob ich gerne weiter mit Musik Geld verdienen möchte oder ob ich mich auf die Bedingungen der Industrie einlasse und wie so viele andere (Musiker/Labels etc) schaue, dass mein Lebensunterhalt woanders her kommt. Da die erste Variante ein großes Abenteuer und somit ungleich mehr Spaß versprach, war die Entscheidung nicht so schwer. Warum nicht mal gesunder Menschenverstand statt Opportunismus?”
 
DER, DEN MEIN FREUND KANNTE ist ab jetzt auf 
 
 
vorbestellbar – in verschiedenen Formaten und in Kombination mit DAS BUCH TOM, das zeitgleich am 30. November veröffentlicht wird. Es erzählt in 384 Sechszeilern von dem, was Tom Liwa bei seinem Wandern zwischen den Welten sieht, und lädt dazu ein, ihm durch offene Türen zu folgen – wer sich dem Erzählstrom und den Melodien der Bilder hingibt, kann einiges entdecken. Vorsichtigere Leute bekommen auf jeden Fall eine Vorstellung von seiner Kosmologie, und poetisch sind die Hexagramme natürlich sowieso. Eingeweihte werden auch den einen oder anderen Songbezug finden.
 
Birgit Fuß

TOPIC TOM DE TERRE

Das ist eine spezielle Singles-Serie von Tom Liwa. Im Laufe eines Jahres erscheinen zehn Songs – nur als Stream oder Download erhältlich, stets mit aktuellem Anlass, vom gesellschaftlichen Status Quo bis zu Saisonalem. Schließlich ist das der Vorteil von digitalen Veröffentlichungen: Man kann viel schneller etwas zu gegenwärtigen Themen sagen, wenn nicht erst eine Platte gepresst werden muss. Die Serie verdankt sich einer Wette zwischen dem Produzenten Nosie Katzmann, der schon einige Welt-Hits hinter sich hat, und Tom, von dem Nosie immer glaubte, dass er sie noch vor sich hat. Der eine setzt auf Streaming, der andere nicht so – und jetzt wollen beide gemeinsam gucken, wie weit dieses Modell führen kann (Zwischenstand: mindestens schonmal ins Radio ;-).

Bisher erschienen:

HYPNOSE (featuring VATER ERDE & DIE URGROSSMÜTTER)

DIE ERDE SCHÜTTELT UNS AB (featuring JOERG NAWRA)

GILLIAN MARY SMYTH (featuring NIC KORAY)

und INDIE LO-FI

 

In freundlicher Kooperation mit GIM-RECORDS

Konzerte

30.10.   chez axel ressler – essen (solo)

31.10.   creative outlaws club – recklinghausen (mit flowerpornoes)

01.11.   chez tom tornado – recklinghausen (solo)

06.12.   kulturhaus lyz – siegen (solo)

18.12.   lotte lindenberg – frankfurt (solo) – ABGESAGT WEGEN CORONA
 
 
 
Auch und grade in diesen restriktiven Zeiten besteht die Möglichkeit, mich für Konzerte im privaten Rahmen zu buchen. Ich spiele sehr gerne in Wohnzimmern und Gärten, an lost Places oder in der Natur- ohne aktuelle Hygieneauflagen zu verletzen.
Die finanziellen Konditionen für einen solchen Abend sind verhandelbar nach euren Möglichkeiten. In den meisten Fällen wird der Pro-Kopf-Eintritt nicht höher liegen als an traditionellen Veranstaltungsorten. Falls die örtlichen Gegebenheiten es erfordern, bring ich die nötige Technik selber mit. Schreibt mir Eure Wünsche an tom@tomliwa.de

Media

Tom Liwa unter Kirschbaum
Tom Liwa mit Gitarre auf Bank
Tom Liwa auf Waschmaschine

 © Tom Liwa 2020                  Design von Saskia Lippold