TOM LIWA: ECHOWOMAN (2014)
Liebe Freund:innen,
in mehr als düsteren Zeiten setzen wir am 6.12. unsere Reihe von Archiv-Veröffentlichungen mit dem Digitalrelease des ECHOWOMAN-Albums fort. Vielleicht passt das ganz gut, denn zumindest auf persönlicher Ebene markierte das Entstehen dieser Musik vor etwas über zehn Jahren einen Punkt, ab dem es für mich langsam wieder bergauf ging bzw stabil wurde.
Zunächst einmal: Es gibt zwei Echowomen – von der einen, einer Berlinder DJ, hab ich erst Jahre später erfahren und nie Kontakt mit ihr gehabt. Würden wir die Archivalben medial bewerben, hätte ich es abgeklärt oder vielleicht mein Projekt EKKOWOMAN genannt. In dem quasi privaten Rahmen, in dem wir uns hier befinden, ist es hoffentlich o.k., es bei dieser Erläuterung zu belassen.
Neben dem textlastigen Songwriting, das sicherlich die Mehrheit von Euch hierher gebracht hat, gibt es in meinem Schaffen auch eine Tradition der Instrumentalmusik, die sich dann noch mal in einerseits nicht so einfach anzuhörende experimentelle Sounds und andererseits eher zugängliche, fast poppige Styles aufteilt. ECHOWOMAN zählt eindeutig zur zweiten Kategorie und hat, wenn man möchte, eher Bezüge zu beispielsweise Cluster, Neu & Co, also Spätsiebziger Kraut oder verspielten englischen (norwegischen? belgischen??) Mittachtzigermusiken bzw den Revivals (und Weiterentwicklung) der beiden erwähnten Richtungen in der Jetztzeit ab den Zweitausendern. Runtergebrochen: Man kann sich das anhören, es ist nice und humorvoll. ;)
Was war passiert? Nach einer längeren Zeit auf sinnsuchender Reise, dem Verlust meiner damaligen Kernfamilie und dem Tod meines Vaters lebte ich im Dachgeschoss von Sister BBQ auf ca zehn Quadratmetern im sogenannten Kämmerlein, als mich die GEMA mit einer überaus großzügigen Zahlung überraschte, die ich ohne lange nachzudenken in zwei Synthesizer und eine Drummachine investierte, und ich anfing, im Keller mit Birgits restlichem Equipment und Fieldrecordings diese Miniaturen (auch die längeren Stücke fühlen sich irgendwie wie Miniaturen an) aufzunehmen. Nebenbei ersann ich dabei mein erstes weibliches Alter Ego, ein Schritt, der mir Jahre später, als ich mein Erwachen hatte und EINE ANDERE ZEIT schrieb, noch viel bedeutsamer vorkommen sollte. Echowoman, the woman, nahm nicht nur diese Musik auf, sondern zeichnete auch einige Buntstiftzeichnungen, die ich aber leider nicht mehr finde. Ein großer Einfluss waren zu der Zeit, neben Spike-Jonze-Filmen und der Lektüre von Jiddu Krishnamurti, die Ausflüge, die ich mit dem Duisburger Fotografen Thomas Weiß machte. Wir nannten das Fahrstunden, und in der Regel kamen dabei weirde Fotosessions heraus. Einmal tanzte ich exaltiert im Nadelstreifenanzug in einer nächtlich beleuchteten Baustelle – ein andermal fuhren wir verschiedene Kirchen im Ruhrpott ab und fotografierten mich in Rollkragenpullover und Kassenbrille als stereotypen Pfarrer davor. ;) Das Unbeschwerte fand seinen Weg zurück in mein Leben, die Liebe dann auch, und all das ist den Aufnahmen anzuhören – zumindest ich höre es.
ECHOWOMAN erscheint auf Bandcamp am 6.12. um 9 Uhr. Im Download enthalten sind achtzehn Musikstücke und zwei Fotos von Thomas. Ich hoffe, ihr findet Gefallen an diesem Stück Tom-Geschichte.
Anderer Ast: Auf NDR Blue könnt ihr jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat meine Sendung MARI ON hören. Ich lege alte und ganz neue Lieblingsmusiken auf und erzähle aus dem Nähkästchen. MARI ON beginnt jeweils um 23 Uhr, und in der NDR Mediathek haben sich schon einige Sendungen zum Nachhören angesammelt.
Auch mein ONYA-Format bei Patreon hat sich geändert. Jeder der vier unregelmäßigen Posts pro Monat beinhaltet jetzt sowohl einen ca zwanzigminütigen Blog über dies, das und natürlich Ananas, sowie meist zwei Songs – mal unveröffentlicht aus den Archiven, mal ganz neu, oft auch mal ne inspirierte Coverversion. Und: Wir brauchen den transatlantischen Deal dafür nicht: Wenn ihr für 13€ im Monat (oder freiwillig mehr) abonnieren möchtet, meldet euch bei saraswati@tomliwa.de ..
Einen schönen Advent,
Herzlich, T.
PS zwei kleine, letzte konzerte in diesem jahr: am 13.12. in der st.marien gemeinde herne-baukau (double bill mit meinem freund – und co autor vom song für kate bush – chris bigos) und am 14.12. in der stadtschenke brilon (triple bill mit kieslaster und alle außer ich vor mir)





